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Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Hilfe für Alkoholkranke und Angehörige
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Hekate

Geschlecht:  Anmeldedatum: 25.06.2009 Beiträge: 440 Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: Do 22.07.2010 22:07 Titel: Frühe Traumata: Hohes Risiko für Alkoholsucht |
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Eine in der Kindheit durchlebte hohe psychische Belastung kann beim erwachsenen Menschen den Alkoholismus födern. Wie Wissenschaftler heraus fanden, ist das Risiko alkoholabhängig zu werden dreimal so hoch.
Nach einer im Rahmen eines Symposiums zur Suchtmedizin vorgestellten Studie, ist erwiesen, dass frühe Traumata das Risiko von Alkoholsucht erhöhen. Neben Experten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Psychologen und Suchtmediziner aus ganz Deutschland zum Thema "Trauma und Sucht" referiert.
Zwischen zehn und 50 Prozent der Menschen, die ein traumatisches Erlebnis hatten, entwickeln direkt oder mit einer Verzögerung von bis zu einem halben Jahr eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine andere psychische Störung, wie etwa Depressionen und Angstzustände. "Heute wissen wir, dass manche Ereignisse häufiger eine posttraumatische Belastungsstörung zur Folge haben als andere: Vergewaltigungen zu 50 Prozent, Verkehrsunfälle lediglich in zehn bis 20 Prozent der Fälle", so Martin Driessen vom Zentrum für Psychiatrie und Psycho-therapeutische Medizin, Krankenanstalten Gilead in Bethel.
Der Mehrzahl der Betroffenen könne mit psycho-therapeutischen Interventionen geholfen werden. Komplizierter sei die Situation, wenn nicht nur einmalige, so genannte Typ-1-Traumata, sondern lebensgeschichtlich frühe, wiederholte, anhaltende und/oder komplexe Traumatisierungen wie sexueller Missbrauch vorliegen (Typ 2). Dann kommt es zu lang anhaltenden und tief greifenden Störungsmustern. Der Experte betont jedoch, dass es sich bei traumatischen Ereignissen grundsätzlich um existenziell bedeutsame Ereignisse handelt, die bei fast jedem Menschen Angst und Schrecken sowie das Gefühl des Bedrohtseins auslösen.
Studien mit Alkoholabhängigen sprechen für eine hohe Rate psychischer Traumatisierungen in dieser Gruppe. Die US-Wissenschaftler um Kenneth Kendler hatten in einer vor wenigen Jahren veröffentlichten Studie gezeigt, dass traumatische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend das Risiko einer späteren Abhängigkeitserkrankung um das Dreifache erhöhen, bei schwerer sexueller Traumatisierung sogar um den Faktor 5,7. Erste psychologische und neurobiologische Ansätze zum Verständnis des Zusammenhangs von Trauma und Sucht werden diskutiert, bleiben aber noch im spekulativen Bereich. In Europa beschäftigt sich insbesondere eine Amsterdamer Forschergruppe um Wim van den Brink mit Fragen der klinischen Bedeutung traumatischer Erfahrungen bei Abhängigen.
Willemien Langeland vom Institut für Suchtforschung der Freien Universität Amsterdam berichtet, dass Auswertungen von Studien unter Alkoholikern ergeben haben, dass körperliche sowie seelische Übergriffe in der Kindheit sowohl bei Frauen als auch bei Männern eine spätere Alkoholabhängigkeit zu begünstigen scheinen. Auch Begleiterkrankungen wie Angstzustände treten häufiger auf. Bei Frauen, die sexuell missbraucht wurden, ist der Krankheitsverlauf sogar deutlich schwerer. Langeland plädiert daher dafür, in Zukunft stärker als bisher Alkoholabhängige immer auch daraufhin zu untersuchen, ob Traumatisierungen vorliegen.
http://www.medizinauskunft.de/artikel/diagnose/psyche/02_06_alkoholsucht.php _________________ "Man kann das Leben nur vorwärts leben
und rückwärts verstehen"
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Hekate

Geschlecht:  Anmeldedatum: 25.06.2009 Beiträge: 440 Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: Fr 23.07.2010 21:35 Titel: Trauma und Sucht - Selbstverletzung versus Selbstfürsorge |
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Zusammenfassung:
Ausgehend von der Beobachtung, dass der Missbrauch psychotroper Substanzen bei traumaassozierten psychischen Erkrankungen gehäuft anzutreffen ist, werden mögliche wechselseitige Zusammenhänge zwischen Suchterkrankungen und Traumafolgestörungen erörtert. Selbstverletzendes Verhalten stellt kein einheitliches, sondern ein für die klinisch psychologische Forschung sehr komplexes und noch unzureichend erklärtes Phänomen dar. Selbstverletzendes Verhalten hängt zumeist mit frühen traumatischen Erlebnissen zusammen, auf die nicht angemessen reagiert werden konnte. Aufbauend auf den Ergebnissen einer Stichtagserhebung am Anton-Proksch-Institut wird ein ressourcenorientiertes Behandlungsmodul für traumatisierte, suchtkranke Frauen vorgestellt, welches Stabilisierung und die Entwicklung von Selbstfürsorge umfasst.
Gerade in jungen Jahren entwickeln wir Verhaltensmuster zur Stressbewältigung, die wir zumeist für den Rest unseres Lebens beibehalten, und gerade in den allerersten Lebensjahren ist es für eine gesunde Entwicklung entscheidend zu erfahren, was Fürsorge und die Erfüllung von Bedürfnissen bedeuten. Manche Menschen erleben aber in diesem Alter zum ersten Mal Vernachlässigung und das Gefühl von Wertlosigkeit. Von Traumatisierung betroffene, suchtkranke Frauen kommen zumeist aus Familien, in denen ihre seelischen Bedürfnisse nicht befriedigt wurde. Diese Frauen haben Vernachlässigung oder Verlusterfahrungen durch signifikante Bezugspersonen erfahren (Van der Kolk et al., 1991). Andere Frauen wiederum wuchsen in Familien auf, wo scheinbar sehr gut für sie gesorgt wurde. Bei näherer Betrachtung kann man dabei jedoch erkennen, dass zwar materielle und praktische Bedürfnisse erfüllt wurden, gleichzeitig jedoch emotionale Bedürfnisse nicht erkannt oder vernachlässigt wurden.
Von Traumatisierung betroffene, suchtkranke Frauen können zumeist in Ermangelung früher guter Beziehungserfahrungen die komplexen Voraussetzungen, die einen in die Lage versetzen, fürsorglich mit sich umzugehen, nicht erwerben. Die frühen Beziehungserfahrungen dieser Frauen sind dabei einerseits geprägt von Instabilität oder Unzuverlässigkeit in Bezug auf Unterstützung und Beziehung beziehungsweise Bindung. Signifikant andere waren nicht dazu fähig für emotionale Unterstützung, Bindung, Stärke oder tatsächlichen Schutz zu sorgen, weil sie gefühlsmäßig labil und unvorhersagbar, unzuverlässig oder unberechenbar waren. Es mangelte also an emotionaler Versorgung, es fehlten Aufmerksamkeit, Zuneigung und Wärme; es mangelte an Empathie und nicht zuletzt mangelte es an Schutz.
Andererseits waren die Beziehungserfahrungen auch gekennzeichnet von der Erwartung, dass signifikante andere Menschen einen verletzen, missbrauchen, demütigen, betrügen, manipulieren oder ausnutzen konnten, wobei dies auch die Empfindung beinhaltete, dass die Schädigung vorsätzlich war, weil man es eben nicht anders verdient hatte. In der Folge entwickelte sich aus diesen Bedingungen das Gefühl unvollständig beziehungsweise fehlerhaft zu sein. Die betroffenen Frauen empfanden sich schon sehr früh als mangelhaft, schlecht, nicht gewollt, minderwertig oder auch nicht liebenswert signifikanten Anderen gegenüber.
Selbstverletzendes Verhalten scheint in diesem Zusammenhang die zentrale, meist einzige, Möglichkeit der Selbstfürsorge: Das Zufügen von Schmerz, destruktives, selbstschädigendes Verhalten gegen die eigene Person, gegen den eigenen Körper stellt die einzige beziehungsweise zu einem überwiegenden Anteil kennengelernte und somit auch „verdiente“ Form der Zuwendung dar. An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass nicht jedes Verhalten, das nach außen als sehr destruktiv imponiert, als Zerstörung intendiert ist. Es stellt sich dabei eben immer auch die Frage, ob nicht ein bewahrendes, vielleicht sogar fürsorgliches Element im destruktiven Verhalten liegen kann. Von den Betroffenen erlebte, destruktive Impulse werden gewissermaßen auf den Körper abgeleitet. Selbstzerstörung hat in diesem Zusammenhang die Funktion, die Beziehung zu anderen positiv zu erhalten – Selbstzerstörung scheint diesbezüglich einen Schutz vor offener Aggression gegen andere Personen darzustellen. Natürlich ist das keine gute, sondern eher eine schmerzhafte und erschreckende Lösung. Aber man darf im Zusammenhang mit Menschen, die selbstdestruktives Verhalten ausüben, neben dieser Destruktivität nicht deren fürsorgliche Aspekte übersehen.
Selbstfürsorge
Selbstfürsorge ist eine Qualität des Umgangs mit sich, die mit den prägenden, also emotional bedeutsamsten, Beziehungserfahrungen im eigenen Leben zu tun haben. Diese Beziehungserfahrungen werden verinnerlicht, in früheren Lebensabschnitten mehr als in späteren. Der Umgang mit sich selbst ist auf diese Weise ein Spiegel der gemachten Beziehungserfahrungen. Die Haltung, die mit selbstfürsorglichem Verhalten gemeint ist, hat komplexe Bedin gungen; in den Entwicklungsphasen eines Lebens sind die Anforderungen an die Selbstfürsorge sehr unterschiedlich. Dies können sein: die Fähigkeit zur Abgrenzung, zur Behauptung, aber auch die Möglichkeit, andere Menschen mit ihren eigenen Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen akzeptieren zu können. Was dabei zudem wesentlich ist, um eine insgesamt selbstfürsorgliche Haltung erwerben zu können, ist die Fähigkeit zum Umgang mit der eigenen Aggressivität, die das ganze Leben immer wieder erlernt werden muss. Dies weist auch darauf hin, dass Selbstfürsorge keine stabile Eigenschaft darstellt. Sicherlich, die Voraussetzungen dafür, für sich selbst sorgen zu können, werden unter Umständen sehr früh gelegt oder zerstört. Dennoch ist die Haltung der Selbstfürsorge eine, um die wir ein ganzes Leben lang ringen müssen.
Trauma und Sucht
Neben der „klinischen Erfahrung“ und einigen anekdotischen Beobachtungen lagen lange Zeit keine genauen Zahlen bezüglich Trauma und Sucht vor. 1997 berichteten Wilsnack et al., dass ein problematischer Alkoholkonsum bei Frauen mit sexualisierter Gewalterfahrung doppelt so häufig ist wie bei Frauen ohne diese Erfahrung. Durchschnittlich 39 Prozent der weiblichen und 31 Prozent der männlichen, alkoholabhängigen Patienten berichten über Gewalterfahrungen in der Kindheit (Kemmner et al. 2004). Auch Kinder aus Suchtfamilien berichten zu knapp einem Drittel über tägliche oder häufige Episoden physischer Gewalt während der Kindheit (Klein et al. 2001) – also in etwa ähnlich wie alle Suchterkrankten – allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zu entwickeln bei der Alkoholabhängigkeit eines Elternteils um das mehr als fünffache und bei einer Abhängigkeitserkrankung beider Elternteile um mehr als das 15-fache (!) (Lachner et al. 1997).
mehr hier:
http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=14616 _________________ "Man kann das Leben nur vorwärts leben
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Hekate

Geschlecht:  Anmeldedatum: 25.06.2009 Beiträge: 440 Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: Fr 23.07.2010 21:45 Titel: |
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Die Abwärtsspirale aus Trauma und Sucht
Als Erklärungsmodell für den Zusammenhang von Traumafolgestörungen und Suchterkrankungen dient nach neueren Forschungsergebnissen unter anderem die Selbstmedikationshypothese, die von Edward Khantzian schon 1985 formuliert wurde. Hiernach benutzen Menschen psychoaktive Substanzen bei Traumafolgestörungen, um deren Symptome zu kontrollieren und zu mildern. Dabei halten sich posttraumatische Belastungsstörung und Abhängigkeitserkrankung in einem Teufelskreis gegenseitig aufrecht oder verstärken sich. Neben der Linderung von Hyperarousal-Symptomen (vegetativer Übererregung) durch Suchtmittel können auch Stimuli, die eine traumatische Situation antriggern (wieder hervorrufen), bewusst durch Suchtmittelkonsum vermieden werden. Mit Alkohol und Drogen lassen sich flashbacks (das Wiedererleben) traumatischer Ereignisse vorübergehend verringern, und Vermeidungsstrategien können kurzfristig aufgebrochen werden. Patienten mit sexuellen Traumatisierungen berichten oft, dass es ihnen nur unter Einwirkung von Drogen möglich ist, Sexualität zu ertragen.
Schon Abhängigkeitserkrankungen allein können zu sozialem Abstieg, persönlichen Funktionsstörungen und einer vielfältigen psychosozialen Symptomatik führen. Diese Störungsbilder sind bei Menschen mit zusätzlicher PTSD erheblich ausgeprägter. Diese Erkenntnisse haben auch praktische Relevanz. Heute weiß man, dass Suchtpatienten mit comorbider posttraumatischer Belastungsstörung weniger günstig auf fokussierte Suchtbehandlung reagieren. Diese Patienten haben nach der Suchtbehandlung häufiger Rückfälle, die auch schwerer ausfallen. Dabei liegt das schlechtere Abschneiden der Suchtpatienten mit Traumastörungen neben unspezifischen Faktoren an der nicht behandelten Traumastörung. Erste Studien (Brown 1998, 2000) zeigen, dass eine gleichzeitige Behandlung der Trauma- und der Suchtstörung zu erheblich besseren Behandlungsergebnissen dieser Patientengruppe führt. Die Therapie folgt den vertrauten Schemata, die sowohl in der Behandlung Suchtkranker als auch in der Behandlung Traumatisierter angewandt werden.
http://www.konturen.de/NEU_pages/archiv/2009/0609/0609_leseprobe.html _________________ "Man kann das Leben nur vorwärts leben
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